Glossar
65 Begriffe rund um Vollmachten, Belege und Prüfung von KI-Agenten, jeder mit eigener Seite.
- Agent Card
Eine Agent Card ist ein maschinenlesbares Profil eines KI-Agenten im Agent2Agent-Protokoll, das Name, Fähigkeiten, Adresse und unterstützte Authentisierung beschreibt.
- Agent Passport
Ein Agent Passport ist ein signierter Nachweis über die Identität eines KI-Agenten, meist mit gebundenem Schlüssel, ohne selbst eine Befugnis zu erteilen.
- Agent Payments Protocol (AP2)
Das Agent Payments Protocol (AP2) ist ein offenes Protokoll von Google, das Zahlungen durch KI-Agenten mit signierten Mandaten für Absicht, Warenkorb und Zahlung absichert.
- Agent2Agent-Protokoll (A2A)
Das Agent2Agent-Protokoll (A2A) ist ein offenes Protokoll, über das KI-Agenten verschiedener Anbieter einander finden, Aufgaben übergeben und Ergebnisse austauschen.
- Agenten-Mandat
Ein Agenten-Mandat ist die signierte, maschinenlesbare Vollmacht eines Auftraggebers an einen KI-Agenten, die festlegt, welche Handlungen in welchem Umfang und bis wann erlaubt sind.
- Agentic Commerce
Agentic Commerce bezeichnet Einkäufe und Zahlungen, die ein KI-Agent im Auftrag eines Menschen oder Unternehmens auswählt und ausführt.
- Agentic Commerce Protocol (ACP)
Das Agentic Commerce Protocol (ACP) ist eine offene Spezifikation von OpenAI und Stripe, die den Checkout zwischen einem KI-Agenten und einem Onlineshop beschreibt.
- Auftraggeber (Principal)
Der Auftraggeber ist die natürliche oder juristische Person, in deren Namen ein KI-Agent handelt und die ihm das Mandat erteilt hat.
- Ausführungsbeleg
Ein Ausführungsbeleg ist der Eintrag, der nach einer Agenten-Handlung festhält, was ausgeführt wurde, und auf den zugehörigen Entscheid und das Mandat verweist.
- Beleg-Kette
Eine Beleg-Kette ist eine Folge von Ausführungsbelegen, in der jeder Eintrag den Hash seines Vorgängers enthält, sodass jede Änderung oder Lücke die Kette bricht.
- Blankovollmacht
Eine Blankovollmacht ist ein Mandat ohne festgelegten Umfang, das einem Agenten jede Handlung erlaubt und sich deshalb nicht sinnvoll prüfen lässt.
- Confused Deputy
Ein Confused Deputy ist ein Programm mit weitreichenden Rechten, das von einem weniger berechtigten Akteur dazu gebracht wird, diese Rechte in dessen Sinn einzusetzen.
- Decentralized Identifier (DID)
Ein Decentralized Identifier (DID) ist eine Kennung nach W3C-Standard, die auf ein Dokument mit öffentlichen Schlüsseln verweist und ohne zentrale Registrierungsstelle auskommt.
- Delegationskette
Eine Delegationskette ist die Folge signierter Übertragungen, über die eine Befugnis vom Auftraggeber über Zwischenstufen zum handelnden Agenten gelangt.
- DPoP (RFC 9449)
DPoP (Demonstrating Proof of Possession) nach RFC 9449 bindet ein OAuth-Token an einen Schlüssel des Clients, sodass ein gestohlenes Token ohne den passenden privaten Schlüssel nicht verwendet werden kann.
- E-ID Schweiz (swiyu)
Die E-ID ist der staatliche elektronische Identitätsnachweis der Schweiz, den Personen in der Wallet-App swiyu aufbewahren und gezielt vorlegen.
- eIDAS 2.0
eIDAS 2.0 ist die überarbeitete EU-Verordnung über elektronische Identifizierung und Vertrauensdienste, die unter anderem die EUDI-Wallet einführt.
- Elektronisches Siegel
Ein elektronisches Siegel ist die elektronische Signatur einer Organisation statt einer Person; es belegt Herkunft und Unversehrtheit von Daten, die ein Unternehmen oder eine Behörde ausstellt.
- Entscheid-Token
Ein Entscheid-Token ist der signierte Beleg einer Prüfstelle, dass eine bestimmte Handlung eines Agenten vor der Ausführung erlaubt, abgelehnt oder eskaliert wurde.
- EUDI-Wallet
Die EUDI-Wallet ist die europäische Brieftasche für die digitale Identität, die alle EU-Staaten ihren Bürgerinnen und Bürgern nach eIDAS 2.0 anbieten müssen.
- Fail-closed
Fail-closed bedeutet, dass ein System im Zweifel ablehnt: Fehlt eine Information oder schlägt eine Prüfung fehl, wird die Handlung nicht ausgeführt.
- Guardrails
Guardrails sind Schutzmechanismen um ein Sprachmodell, die Eingaben und Ausgaben filtern, etwa schädliche Inhalte, vertrauliche Daten oder Themen ausserhalb des Einsatzzwecks.
- HTTP Message Signatures (RFC 9421)
HTTP Message Signatures sind ein IETF-Standard (RFC 9421), mit dem Absender ausgewählte Teile einer HTTP-Nachricht signieren, sodass Empfänger Herkunft und Unversehrtheit prüfen können.
- Human in the Loop
Human in the Loop bezeichnet ein Vorgehen, bei dem ein Mensch bestimmte Handlungen eines KI-Agenten vor der Ausführung prüft und freigibt oder ablehnt.
- ID Austria
ID Austria ist der staatliche elektronische Identitätsnachweis Österreichs, mit dem sich Personen online ausweisen und qualifiziert elektronisch signieren können.
- JWKS (JSON Web Key Set)
Ein JWKS (JSON Web Key Set) ist eine Liste öffentlicher Schlüssel im JSON-Format nach RFC 7517, mit der Prüfstellen Signaturen eines Ausstellers prüfen.
- Kanonisierung (JCS)
Kanonisierung bringt Daten in eine eindeutige, festgelegte Darstellung, damit Hashwerte und Signaturen unabhängig von Formatierung immer gleich ausfallen; für JSON beschreibt RFC 8785 das JSON Canonicalization Scheme (JCS).
- Key Binding
Key Binding ist der Nachweis, dass derjenige, der einen Nachweis vorlegt, den darin gebundenen privaten Schlüssel besitzt.
- KI-Agent
Ein KI-Agent ist ein Softwaresystem, das mit einem Sprachmodell Ziele verfolgt und dafür selbständig Handlungen ausführt, etwa einkaufen, buchen oder Anträge stellen.
- Know Your Agent (KYA)
Know Your Agent (KYA) ist die Prüfung, ob ein KI-Agent für eine konkrete Handlung befugt war – mit einem Nachweis, den Dritte unabhängig nachrechnen können.
- Know Your Business (KYB)
Know Your Business (KYB) ist die Prüfung von Unternehmen als Geschäftspartner: ihre Existenz, Eigentümer, wirtschaftlich Berechtigten und vertretungsberechtigten Personen.
- Minimale Befugnis
Minimale Befugnis ist der Grundsatz, einem Agenten nur die Rechte zu geben, die er für eine bestimmte Aufgabe braucht, und nur so lange, wie er sie braucht.
- Model Context Protocol (MCP)
Das Model Context Protocol (MCP) ist ein offenes Protokoll, über das KI-Anwendungen Werkzeuge, Daten und Dienste in einheitlicher Form anbinden.
- Mutual TLS (RFC 8705)
Mutual TLS (mTLS) ist eine TLS-Verbindung, bei der sich auch der Client mit einem Zertifikat ausweist; RFC 8705 nutzt das, um OAuth-Clients zu authentisieren und Tokens an ihr Zertifikat zu binden.
- Nachweispaket
Ein Nachweispaket bündelt Mandat, Entscheid, Belege, Statuslisten und Zeitstempel zu einer Datei, deren Inhalt über ein Manifest gegen Veränderung gesichert ist.
- Netzwerk-Tokenisierung
Netzwerk-Tokenisierung ersetzt die Kartennummer durch ein Token des Kartennetzes, das nur für einen bestimmten Händler, ein Gerät oder einen Agenten gilt und bei jeder Zahlung ein eigenes Kryptogramm verlangt.
- OAuth 2.1
OAuth 2.1 ist eine in der IETF entwickelte Konsolidierung von OAuth 2.0, die bewährte Sicherheitsregeln zur Pflicht macht und unsichere Abläufe wie den Implicit Grant streicht.
- OAuth Token Exchange (RFC 8693)
OAuth Token Exchange nach RFC 8693 ist ein Verfahren, mit dem ein Dienst ein vorhandenes Token gegen ein neues tauscht, etwa um im Namen eines Nutzers oder als dessen Stellvertreter weiterzuarbeiten.
- OpenID Federation
OpenID Federation ist eine Spezifikation der OpenID Foundation, mit der Organisationen über signierte Vertrauensketten nachweisen, dass ein Aussteller oder Dienst zu einer vertrauenswürdigen Föderation gehört.
- OpenID for Verifiable Presentations (OID4VP)
OpenID for Verifiable Presentations (OID4VP) ist ein Protokoll der OpenID Foundation, mit dem eine Prüfstelle Nachweise aus einer Wallet anfordert und die Wallet sie vorlegt.
- Passkeys
Passkeys sind Anmeldedaten ohne Passwort, die auf asymmetrischer Kryptografie nach den FIDO- und WebAuthn-Standards beruhen und an eine bestimmte Website gebunden sind.
- Policy Decision Point (PDP)
Ein Policy Decision Point (PDP) ist die Stelle, die anhand von Regeln entscheidet, ob eine angefragte Handlung erlaubt ist; ein Policy Enforcement Point (PEP) setzt diese Entscheidung durch.
- Prompt Injection
Prompt Injection ist ein Angriff, bei dem versteckte Anweisungen in Texten, Websites oder Dokumenten ein Sprachmodell dazu bringen, etwas anderes zu tun als beabsichtigt.
- Prüfpunkt
Ein Prüfpunkt ist die Stelle im Ablauf, an der eine Agenten-Handlung vor der Ausführung gegen das Mandat geprüft wird, etwa ein Gateway vor einem Werkzeug.
- Prüfstelle
Die Prüfstelle ist die Partei, die einen Agenten-Nachweis prüft und entscheidet, welchen Ausstellern und Zeitstempelstellen sie vertraut.
- Qualifizierte elektronische Signatur
Eine qualifizierte elektronische Signatur (QES) ist eine elektronische Signatur mit einem qualifizierten Zertifikat eines anerkannten Anbieters, die rechtlich der eigenhändigen Unterschrift gleichgestellt ist.
- Qualifizierter Zeitstempel
Ein qualifizierter Zeitstempel ist ein elektronischer Zeitstempel eines anerkannten Vertrauensdienstes, für den das Recht die Richtigkeit von Zeitpunkt und Unversehrtheit vermutet.
- Replay-Angriff
Ein Replay-Angriff ist der Versuch, eine abgefangene, gültige Nachricht oder einen Nachweis erneut einzureichen, um eine Handlung ein zweites Mal oder bei einem anderen Empfänger auszulösen.
- Rich Authorization Requests (RFC 9396)
Rich Authorization Requests (RAR) sind eine OAuth-Erweiterung nach RFC 9396, mit der ein Client feingranulare Berechtigungen als strukturierte Angaben statt als einfache Scopes anfordert.
- SD-JWT VC
SD-JWT VC ist ein bei der IETF entwickeltes Format für verifizierbare Nachweise, bei dem der Aussteller Hashes signiert und der Inhaber einzelne Angaben gezielt offenlegt.
- Selektive Offenlegung
Selektive Offenlegung bedeutet, aus einem signierten Nachweis nur die Angaben preiszugeben, die für eine Prüfung nötig sind, ohne die Signatur zu brechen.
- Starke Kundenauthentifizierung
Starke Kundenauthentifizierung (SCA) ist die Pflicht nach der EU-Zahlungsdiensterichtlinie PSD2, elektronische Zahlungen mit zwei unabhängigen Faktoren aus Wissen, Besitz und Inhärenz zu bestätigen.
- Statusliste
Eine Statusliste ist eine vom Aussteller signierte, komprimierte Bitliste, die für jeden ausgestellten Nachweis anzeigt, ob er gültig, widerrufen oder suspendiert ist.
- Tool Poisoning
Tool Poisoning ist ein Angriff, bei dem versteckte Anweisungen in der Beschreibung oder den Antworten eines Werkzeugs einen KI-Agenten zu ungewollten Handlungen verleiten.
- Trusted Agent Protocol
Das Trusted Agent Protocol ist ein Verfahren von Visa, mit dem KI-Agenten sich gegenüber Händlern mit signierten Anfragen ausweisen und Angaben zu Kunde und Zahlung übermitteln.
- Verifiable Intent
Verifiable Intent ist ein offenes Format von Mastercard, mit dem eine Nutzerin den Rahmen eines Agenten-Kaufs signiert und der Agent die finalen Werte nachweisbar daran bindet.
- Vertrauensanker
Ein Vertrauensanker ist ein Zertifikat oder Schlüssel, dem die Prüfstelle ausdrücklich vertraut und auf den sich andere Zertifikate zurückführen lassen müssen.
- Vertretungsmacht
Vertretungsmacht ist die Befugnis, im Namen eines anderen rechtsverbindlich zu handeln; bei KI-Agenten beschreibt sie, wofür ein Agent seinen Auftraggeber binden darf.
- W3C Verifiable Credentials 2.0
W3C Verifiable Credentials 2.0 ist ein Datenmodell des World Wide Web Consortium für digitale Nachweise, die ein Aussteller signiert und ein Inhaber gegenüber Prüfstellen vorlegt.
- Web Bot Auth
Web Bot Auth ist ein Verfahren, mit dem Bots und KI-Agenten ihre HTTP-Anfragen kryptografisch signieren, damit Websites den Betreiber zuverlässig erkennen.
- Workload-Identität (SPIFFE)
Eine Workload-Identität ist eine kryptografisch belegte Identität für Software statt für Menschen; SPIFFE ist ein offener Standard dafür, mit kurzlebigen Identitätsnachweisen für Dienste, Container und Agenten.
- X.509-Zertifikat
Ein X.509-Zertifikat ist eine signierte Datenstruktur nach RFC 5280, die einen öffentlichen Schlüssel mit einer Identität verbindet und von einer Zertifikatsstelle ausgestellt wird.
- Zahlungsauslösedienst
Ein Zahlungsauslösedienst löst im Auftrag einer Kundin eine Zahlung direkt von ihrem Bankkonto aus; in der EU ist er nach der Zahlungsdiensterichtlinie PSD2 ein regulierter Zahlungsdienst.
- Zeitstempel (RFC 3161)
Ein Zeitstempel nach RFC 3161 ist die signierte Bestätigung einer Zeitstempelstelle, dass ein bestimmter Hash zu einem bestimmten Zeitpunkt existierte.
- Zero Trust
Zero Trust ist ein Sicherheitsmodell, das keiner Anfrage allein aufgrund ihres Netzwerkstandorts vertraut, sondern jede Anfrage einzeln anhand von Identität, Kontext und Regeln prüft.