Selektive Offenlegung

Selektive Offenlegung bedeutet, aus einem signierten Nachweis nur die Angaben preiszugeben, die für eine Prüfung nötig sind, ohne die Signatur zu brechen.

Bei SD-JWT enthält der signierte Teil nicht die Angaben selbst, sondern nur deren Hashwerte. Die Angaben reisen als separate Disclosures mit; der Inhaber legt nur die vor, die er zeigen will. Die Prüfstelle berechnet den Hash jeder vorgelegten Disclosure und vergleicht ihn mit dem signierten Teil.

So kann ein Agent belegen, dass er einen Betragsrahmen hat und für wen er handelt, ohne etwa Geburtsdatum oder Adresse seines Auftraggebers offenzulegen. Das Prinzip unterstützt die Datenminimierung, die das Schweizer Datenschutzgesetz und die DSGVO verlangen.

Beispiel

Ein Mandat enthält Name, Adresse, Betragsgrenze und erlaubte Händler. Gegenüber einem Shop legt der Agent nur die Betragsgrenze und die Händlerliste offen. Der Shop prüft, dass beide Angaben zum signierten Mandat gehören, und erfährt die Adresse nicht.

Abgrenzung

Verschlüsselung verbirgt Daten vor allen ohne Schlüssel; die selektive Offenlegung verbirgt einzelne Angaben vor dem Empfänger, obwohl er den Rest prüfen kann. Zero-Knowledge-Beweise gehen weiter und belegen Aussagen, ohne die Angaben selbst zu zeigen.

In der Praxis

  • Fordern Sie als Prüfstelle nur die Angaben an, die Sie für die Entscheidung wirklich brauchen.
  • Gestalten Sie Mandate so, dass jede Angabe einzeln offengelegt werden kann.
  • Prüfen Sie immer, dass jede vorgelegte Disclosure zu einem Hash im signierten Teil passt.

Bezug zu KYA

KYA prüft bei SD-JWT, dass jede vorgelegte Disclosure zu einem Hash im signierten Teil passt, und meldet Disclosures, die nicht dazugehören. Das Ergebnis fliesst in die Prüfung der kryptografischen Integrität ein.

Zugehöriger Prüfschritt: Kryptografische Integrität (cryptographic_integrity). Sind Signaturen, Disclosures, Hash-Ketten und Manifest unverändert?

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Häufige Fragen

Wozu dient die selektive Offenlegung?

Um nur die Angaben zu zeigen, die eine Prüfung braucht. Ein Agent kann so seine Befugnis belegen, ohne persönliche Daten seines Auftraggebers preiszugeben.

Wie funktioniert die selektive Offenlegung bei SD-JWT?

Der signierte Teil enthält Hashwerte der Angaben, die Angaben selbst reisen als Disclosures mit. Die Prüfstelle vergleicht den Hash jeder vorgelegten Disclosure mit dem signierten Teil.

Hilft selektive Offenlegung beim Datenschutz?

Sie unterstützt den Grundsatz der Datenminimierung. Ob ein ganzes Verfahren die Anforderungen des Datenschutzgesetzes oder der DSGVO erfüllt, hängt von weiteren Faktoren ab. Allgemeine Information, keine Rechtsauskunft.

Kann die Prüfstelle verborgene Angaben erraten?

Praktisch nicht. Jede Disclosure enthält einen zufälligen Wert, sodass sich aus dem Hash im signierten Teil der Inhalt nicht zurückrechnen lässt.

Quellen

  1. SD-JWT (IETF)
  2. SD-JWT VC (IETF)

Verwandte Begriffe