Know Your Agent in der Schweiz: KI-Agenten prüfen
Know Your Agent (KYA) bezeichnet die Prüfung, ob ein KI-Agent für eine bestimmte Handlung befugt war, mit einem Nachweis, den Dritte unabhängig nachrechnen können. In der Schweiz verbindet sich das mit dem Obligationenrecht, dem Datenschutzgesetz und der neuen E-ID.
Das Wichtigste in Kürze
- Know Your Agent prüft, ob ein KI-Agent für eine Handlung befugt war, mit nachrechenbarem Nachweis.
- Die Stellvertretung nach Art. 32 ff. OR bildet den rechtlichen Hintergrund.
- Das DSG verlangt Zweckbindung, Verhältnismässigkeit und Datensicherheit auch beim Einsatz von Agenten.
- Die E-ID mit swiyu kann künftig den Auftraggeber eines Agenten belegen.
Was Know Your Agent in der Schweiz bedeutet
Schweizer Unternehmen setzen KI-Agenten für Beschaffung, Kundendienst, Buchhaltung und Verwaltungsabläufe ein. Sobald ein Agent bestellt, bezahlt oder ein Gesuch einreicht, stellt sich dieselbe Frage wie bei jeder Vertretung: Durfte er das? Know Your Agent beantwortet diese Frage mit einem prüfbaren Nachweis statt mit einem Protokolleintrag.
knowyouragent.ch ist ein neutraler Prüfpunkt mit Sitz in Zug. Die Prüfung läuft vollständig im Browser, ohne Konto und ohne dass Nachweise das Gerät verlassen. Schweizer Hochdeutsch ist die Erstsprache der Seite, Englisch die zweite.
Stellvertretung nach Obligationenrecht
Das Obligationenrecht regelt die Stellvertretung in Art. 32 ff. OR. Massgebend ist der Umfang der Ermächtigung; wurde sie einem Dritten mitgeteilt, beurteilt sich ihr Umfang ihm gegenüber nach der Kundgabe (Art. 33 Abs. 3 OR). Ein Geschäft ohne Ermächtigung bindet den Vertretenen nur nach Genehmigung (Art. 38 OR), und der vollmachtlose Vertreter haftet nach Art. 39 OR.
Ob diese Regeln auf KI-Agenten direkt oder entsprechend anzuwenden sind, ist in der Lehre offen. Für die Praxis gilt: Ein Mandat mit klaren Grenzen, das der Agent vorlegt, macht den Rahmen für beide Seiten sichtbar. Mehr dazu im Artikel Vertretungsmacht nachweisen.
Datenschutz nach DSG
Seit dem 1. September 2023 gilt das revidierte Datenschutzgesetz. Für Agenten wichtig sind die Grundsätze der Verhältnismässigkeit und Zweckbindung (Art. 6 DSG), Datenschutz durch Technik und datenschutzfreundliche Voreinstellungen (Art. 7 DSG), die Datensicherheit (Art. 8 DSG) und die Bearbeitung durch Auftragsbearbeiter (Art. 9 DSG). Trifft ein Agent automatisierte Einzelentscheidungen mit rechtlicher Wirkung, bestehen Informationspflichten (Art. 21 DSG).
KYA selbst bearbeitet keine Nachweise auf einem Server. Die Prüfung findet lokal statt, und Angaben in Nachweisen lassen sich mit selektiver Offenlegung auf das Nötige beschränken.
Identität: die E-ID und swiyu
Die Stimmberechtigten haben am 28. September 2025 das Bundesgesetz über den elektronischen Identitätsnachweis angenommen. Die E-ID ist freiwillig und kostenlos; Personen bewahren sie in der Wallet-App swiyu auf und legen nur die nötigen Angaben vor. Technisch setzt die Vertrauensinfrastruktur des Bundes auf SD-JWT VC und OID4VP.
Für Agenten ist die E-ID der naheliegende Herkunftsnachweis des Auftraggebers. Ein Mandat kann an eine Person gebunden werden, deren Identität staatlich belegt ist. KYA prüft Mandate bereits im Format SD-JWT VC; ein eigenes Profil für die E-ID als Herkunftsnachweis ist vorgesehen.
Regulierung und Aufsicht
Die Schweiz hat kein eigenes KI-Gesetz. Der Bundesrat hat im Februar 2025 entschieden, die Rahmenkonvention des Europarats über künstliche Intelligenz zu ratifizieren und das bestehende Recht möglichst sektoriell anzupassen. Im Finanzbereich hat die FINMA mit ihrer Aufsichtsmitteilung 08/2024 Erwartungen an Governance und Risikomanagement beim Einsatz künstlicher Intelligenz formuliert.
Schweizer Unternehmen mit Kundschaft in der EU sind zudem von europäischen Vorgaben betroffen. Eine Einordnung bietet der Artikel EU AI Act und KI-Agenten: was für Agenten gilt.
Branchen in der Schweiz
- Banken und Versicherungen: Zahlungen, Wertschriftenaufträge und Schadenmeldungen durch Agenten brauchen belegte Befugnisse. Mehr zu Finanzdienstleistern.
- Handel: Onlineshops erhalten Bestellungen von Einkaufsagenten und müssen legitime Agenten von Bots unterscheiden. Mehr zum Handel.
- Verwaltung: Gesuche und Meldungen, die Agenten im Auftrag von Personen einreichen, verlangen eine klare Zuordnung. Mehr zur Verwaltung.
Begriffe im Schweizer Kontext
Im Schweizer Sprachgebrauch spricht man von Vollmacht und Stellvertretung; KYA verwendet für die maschinenlesbare Form den Begriff Mandat. Beides meint im Kern dasselbe: den festgelegten Rahmen, in dem jemand für einen anderen handeln darf.
Häufige Fragen
Was bedeutet Know Your Agent in der Schweiz?
Die Prüfung, ob ein KI-Agent für eine Handlung befugt war, mit einem unabhängig nachrechenbaren Nachweis. In der Schweiz verbindet sie sich mit der Stellvertretung nach OR, dem DSG und künftig der E-ID.
Gibt es in der Schweiz Regeln speziell für KI-Agenten?
Nein, ein eigenes KI-Gesetz gibt es nicht. Es gelten die allgemeinen Regeln, etwa des Obligationenrechts und des Datenschutzgesetzes. Der Bundesrat plant sektorielle Anpassungen.
Kann ich KYA als Schweizer Unternehmen kostenlos nutzen?
Ja. Die Prüfung auf knowyouragent.ch ist kostenlos, braucht kein Konto und läuft vollständig im Browser. Der Prüfkern steht zudem als Paket unter Apache 2.0 zur Verfügung.
Unterstützt KYA die Schweizer E-ID?
KYA prüft Nachweise im Format SD-JWT VC, das auch die E-ID nutzt. Ein Profil für die E-ID als Herkunftsnachweis des Auftraggebers ist vorgesehen.
Allgemeine Information, keine Rechtsauskunft. Massgebend sind die Gesetzestexte und die Umstände des Einzelfalls.
Quellen
- Obligationenrecht (OR), Art. 32 ff.: https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/27/317_321_377/de#art_32
- Bundesgesetz über den Datenschutz (DSG): https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/2022/491/de
- E-ID: offizielle Informationen des Bundes: https://www.eid.admin.ch/de
- Europarat: Rahmenkonvention über künstliche Intelligenz: https://www.coe.int/en/web/artificial-intelligence/the-framework-convention-on-artificial-intelligence