Standards rund um Agenten-Vollmachten

Stand Oktober 2026. Welche Standards welche Frage beantworten und welche Lücke die unabhängige Prüfung schliesst.

Kurz gesagt

Identitätsstandards sagen, wer handelt; AP2 und Verifiable Intent beschreiben Absichten. KYA prüft unabhängig, ob eine Handlung belegt gedeckt war.

Vier Schichten

SchichtFrageTypische Standards
IdentitätWer handelt?OAuth, OpenID Connect, Workload-Identitäten, DIDs, Web Bot Auth
Befugnis und AbsichtWas ist erlaubt, was war beabsichtigt?SD-JWT VC, AP2, Verifiable Intent
BelegWas ist tatsächlich geschehen?Signierte Belege, Hash-Ketten, RFC 3161
Unabhängige PrüfungKann ein Dritter das nachrechnen?Offene Formate, Testvektoren, reproduzierbare Berichte

Die meisten Initiativen arbeiten an den ersten beiden Schichten. KYA arbeitet an der vierten und prüft die dritte.

SD-JWT VC und OpenID4VP

SD-JWT VC ist das bei der IETF entwickelte Format für verifizierbare Nachweise mit selektiver Offenlegung: Der Aussteller signiert Hashes, der Inhaber legt nur die nötigen Teile offen. Ein Key-Binding-JWT beweist, dass der Vorlegende den gebundenen Schlüssel hält. OpenID for Verifiable Presentations regelt, wie ein solcher Nachweis angefordert und vorgelegt wird. Für Agenten-Mandate ist das die naheliegende Grundlage, weil ein Mandat Umfang offenlegen muss, aber nicht jedes Detail des Auftraggebers.

IETF Token Status List

Eine komprimierte Bitliste, in der jeder ausgestellte Nachweis einen Index hat. Ein Bit oder mehrere zeigen gültig, widerrufen oder suspendiert. Für Agenten ist der Widerruf keine Randfrage: Ein Mandat, das sich nicht widerrufen lässt, ist eine Vollmacht ohne Notbremse.

RFC 3161 und Vertrauensanker

Ein Zeitstempel nach RFC 3161 bestätigt, dass ein bestimmter Hash zu einem bestimmten Zeitpunkt existierte. Wie viel er beweist, hängt am Anker: Ein Zeitstempel ist so vertrauenswürdig wie die Stelle, auf die er sich zurückführen lässt. Qualifizierte Zeitstempel nach ZertES oder eIDAS haben eine besondere Rechtswirkung, setzen aber eine anerkannte Anbieterin voraus. Mehr dazu

Web Bot Auth

Web Bot Auth nutzt HTTP Message Signatures nach RFC 9421, damit ein automatisierter Client seine Anfragen signiert und eine Website ihn wiedererkennt. Das beantwortet, welcher Agent anfragt – nicht, ob er im Auftrag von jemandem eine bestimmte Handlung ausführen darf.

AP2 und Verifiable Intent

Das Agent Payments Protocol (AP2) beschreibt Mandate für den agentischen Handel in drei Formen: Absicht, Warenkorb und Zahlung. Verifiable Intent beschreibt einen überprüfbaren Nachweis der vom Nutzer gebilligten Absicht und ist mit AP2 abgestimmt. Beide Beiträge gingen im April 2026 in die Standardisierung der FIDO Alliance über. KYA prüft Verifiable-Intent-Ketten im Immediate- und im Autonomous-Modus nach der offiziellen Referenz; klassische AP2-JSON-Mandate werden erkannt und als solche ausgewiesen. Alle Ansätze im Vergleich

Die FIDO-Arbeitsgruppen

Am 28. April 2026 kündigte die FIDO Alliance zwei Arbeitsstränge an: eine neue Agentic Authentication Technical Working Group unter dem Vorsitz von CVS Health, Google und OpenAI sowie Spezifikationen für agentisch ausgelösten Handel in der Payments Technical Working Group unter dem Vorsitz von Mastercard und Visa. Ausgangspunkt sind die Beiträge AP2 von Google und Verifiable Intent von Mastercard.

Wo KYA ansetzt

StandardLiefertPrüfschritt bei KYA
SD-JWT VCSigniertes Mandat mit selektiver OffenlegungIntegrität, Aussteller, Agent und Auftraggeber, Gültigkeit, Umfang
Key BindingBesitznachweis des AgentenAgent und Auftraggeber
Token Status ListWiderrufsstatusWiderruf
JWSSignierter EntscheidIntegrität, Aussteller, Umfang
Hash-KetteUnveränderliche BelegfolgeIntegrität, Ausführungsbeleg
RFC 3161Zeitpunkt mit AnkerZeitstempel
Verifiable Intent, AP2Kauf- und AbsichtsmandateIntegrität, Aussteller, Agent und Auftraggeber, Gültigkeit, Umfang, Delegation, Ausführungsbeleg

Quellen

  1. FIDO Alliance, Mitteilung vom 28.04.2026: https://www.fidoalliance.org/fido-alliance-to-develop-standards-for-trusted-ai-agent-interactions/
  2. Verifiable Intent, Referenz-Repository: https://github.com/agent-intent/verifiable-intent
  3. IETF, SD-JWT-based Verifiable Credentials: https://datatracker.ietf.org/doc/draft-ietf-oauth-sd-jwt-vc/
  4. IETF, Token Status List: https://datatracker.ietf.org/doc/draft-ietf-oauth-status-list/
  5. OpenID for Verifiable Presentations 1.0: https://openid.net/specs/openid-4-verifiable-presentations-1_0.html
  6. RFC 3161, Time-Stamp Protocol: https://www.rfc-editor.org/rfc/rfc3161
  7. RFC 9421, HTTP Message Signatures: https://www.rfc-editor.org/rfc/rfc9421
  8. RFC 8785, JSON Canonicalization Scheme: https://www.rfc-editor.org/rfc/rfc8785