Web Bot Auth oder Bot-Erkennung? Agenten erkennen

Websites unterscheiden Menschen und Maschinen seit Jahren mit Bot-Erkennung. Mit KI-Agenten reicht das nicht mehr: Ein Shop will legitime Agenten zulassen und Missbrauch abwehren. Web Bot Auth ersetzt die Schätzung durch einen Beweis.

Das Wichtigste in Kürze

  • Bot-Erkennung schätzt anhand von Verhalten, Web Bot Auth beweist die Herkunft mit einer Signatur.
  • Unsignierter Verkehr braucht weiterhin Bot-Erkennung; signierte Agenten lassen sich gezielt zulassen.
  • Keines von beiden belegt, dass ein Agent einen Kauf im Auftrag ausführen darf.

Worum es geht

Bot-Erkennung arbeitet mit Wahrscheinlichkeiten: IP-Adressen, Browsermerkmale, Mausbewegungen, Geschwindigkeit und Muster im Verkehr. Daraus entsteht eine Einschätzung, ob ein Mensch oder eine Maschine anfragt. Gute Systeme sind treffsicher, aber sie raten.

Web Bot Auth lässt den Betreiber eines Bots oder Agenten jede Anfrage mit HTTP Message Signatures signieren. Die Website prüft die Signatur mit dem veröffentlichten Schlüssel und weiss sicher, wessen Agent anfragt.

Der Vergleich

MerkmalBot-ErkennungWeb Bot Auth
GrundlageVerhalten und Merkmalekryptografische Signatur
ErgebnisWahrscheinlichkeitbelegte Herkunft
Fälschbarkeitdurch Nachahmung von Verhaltennur mit dem privaten Schlüssel
Mitwirkung des Agentennicht nötigAgent muss signieren
Unbekannter Verkehrwird eingeschätztbleibt unsigniert und wird wie bisher behandelt
Aussage zur Befugniskeinekeine

Wann was passt

  • Bot-Erkennung bleibt nötig für den gesamten unsignierten Verkehr: Scraper, Angriffe und Bots, die sich nicht ausweisen.
  • Web Bot Auth lässt signierte Agenten bekannter Betreiber gezielt zu, statt sie mit Menschen-Tests oder Sperren zu behindern.
  • Beide zusammen ergeben eine Abstufung: signierte Agenten bevorzugt, unsignierter Verkehr nach Einschätzung.

Was beide nicht leisten

Weder Bot-Erkennung noch Web Bot Auth sagen etwas darüber, ob ein Agent eine bestimmte Handlung im Auftrag einer Kundin ausführen darf. Eine gültige Signatur belegt Identität, nicht Befugnis. Für Käufe und andere Handlungen mit Folgen braucht es zusätzlich einen Nachweis wie Verifiable Intent oder ein Mandat.

Rolle von KYA

KYA prüft signierte Anfragen nach Web Bot Auth und RFC 9421 gegen die Referenzimplementierung von Cloudflare. Weil Identität keine Befugnis ist, lautet das Urteil ohne Mandat «unbestimmt». Die Signaturbasis einer Anfrage zeigt das Werkzeug Signaturbasis nach RFC 9421.

Häufige Missverständnisse

  • «Signierte Bots sind automatisch harmlos.» Eine Signatur belegt, wer anfragt, nicht dass jede Anfrage erwünscht ist. Auch signierter Verkehr braucht Grenzen, etwa für die Anfragerate.
  • «Bot-Erkennung wird überflüssig.» Solange nicht alle Agenten signieren, bleibt sie für den unsignierten Verkehr nötig.
  • «Eine gültige Signatur erlaubt den Kauf.» Sie erlaubt nichts. Ob ein Kauf im Auftrag einer Kundin liegt, zeigt erst ein Nachweis der Befugnis.

Entscheidungshilfe in drei Fragen

  1. Wollen Sie Agenten bestimmter Betreiber bevorzugt behandeln? Dann prüfen Sie Signaturen nach Web Bot Auth.
  2. Gibt es viel unsignierten automatisierten Verkehr? Dann bleibt Bot-Erkennung unverzichtbar.
  3. Lösen Agenten Käufe aus? Dann verlangen Sie zusätzlich einen Nachweis der Befugnis.

Umsetzung im Shop

Viele CDN-Anbieter prüfen Signaturen nach Web Bot Auth bereits am Rand des Netzes und reichen das Ergebnis an den Shop weiter. Der Shop entscheidet dann, wie er signierte Agenten behandelt: bevorzugt zulassen, eigene Grenzen setzen und für Bestellungen einen Nachweis verlangen. Unsignierter Verkehr läuft weiter über die bestehende Bot-Erkennung.

Beispiel aus der Praxis

Ein Shop bemerkt, dass seine Bot-Erkennung zunehmend Anfragen von Einkaufsassistenten blockiert, die echte Bestellungen bringen. Er lässt signierte Anfragen der Betreiber, denen er vertraut, ohne Menschen-Test zu und begrenzt ihre Anfragerate. Unsignierte Anfragen laufen weiter durch die Bot-Erkennung. Für Bestellungen verlangt er zusätzlich eine signierte Kaufabsicht.

Häufige Fragen

Ersetzt Web Bot Auth die Bot-Erkennung?

Nein. Es ergänzt sie für Agenten, die sich ausweisen wollen. Unsignierter Verkehr braucht weiterhin Bot-Erkennung.

Kann ein Angreifer eine Signatur nach Web Bot Auth fälschen?

Nicht ohne den privaten Schlüssel des Betreibers. Er kann aber unsigniert anfragen; dann greift wieder die Bot-Erkennung.

Sollte ein Shop alle signierten Agenten zulassen?

Nur die von Betreibern, denen er vertraut. Für Käufe sollte er zusätzlich einen Nachweis der Befugnis verlangen.

Was prüft KYA bei Web Bot Auth?

Die Signaturbasis, den Algorithmus und die Bindung an den Schlüssel des Betreibers. Ohne Mandat bleibt das Urteil unbestimmt, weil die Befugnis fehlt.

Wie veröffentlicht ein Betreiber seine Schlüssel für Web Bot Auth?

In einem Verzeichnis an einer bekannten Adresse seiner Domain. Websites laden die Schlüssel von dort und prüfen damit die Signaturen.

Muss ein Shop selbst Kryptografie implementieren?

Nicht zwingend. Häufig übernimmt der CDN-Anbieter die Prüfung. Für eigene Prüfungen lässt sich der Prüfkern von KYA einbinden.

Was kostet die Einführung von Web Bot Auth für einen Shop?

Prüft der CDN-Anbieter die Signaturen, beschränkt sich der Aufwand meist auf Regeln für signierte Agenten. Eine eigene Prüfung braucht einen Schlüsselabgleich und die Prüfung der Signaturbasis.

Quellen

  1. Web Bot Auth: Architektur-Entwurf (IETF): https://datatracker.ietf.org/doc/draft-meunier-web-bot-auth-architecture/
  2. RFC 9421: HTTP Message Signatures: https://www.rfc-editor.org/rfc/rfc9421