Was ein Prüfer von einer Agenten-Handlung braucht: 12 Fragen

Ein Beleg ist nur so viel wert wie die Fragen, die er ohne Rückfrage beantwortet. Diese zwölf Fragen stellt jeder, der eine Agenten-Handlung im Nachhinein beurteilen muss.

Das Wichtigste

  • Zwölf Fragen entscheiden, ob ein Beleg ohne Rückfrage prüfbar ist.
  • Gültigkeit zählt zum Zeitpunkt der Handlung, nicht heute.
  • Was ein Nachweis nicht beantwortet, muss im Bericht sichtbar werden.

Das Wichtigste in Kürze

  • Streit über Agenten-Handlungen dreht sich meist um Tatsachen, nicht um Rechtsfragen.
  • Ein internes Protokoll ist schwach, weil die Gegenseite es nicht prüfen kann.
  • Mandat, Entscheid, Beleg, Kette und Zeitstempel bilden eine prüfbare Beweiskette.
  • Ein Nachweispaket bündelt alles in einer Datei, die Dritte reproduzierbar prüfen können.

Identität und Auftrag

  1. Welcher Agent hat gehandelt, und ist seine Kennung an einen Schlüssel gebunden?
  2. Wer ist der Auftraggeber, und ist er benannt?
  3. Wer hat das Mandat ausgestellt, und lässt sich der Schlüssel des Ausstellers unabhängig bestätigen?

Umfang und Gültigkeit

  1. War das Mandat zum Zeitpunkt der Handlung gültig – nicht heute, sondern damals?
  2. Lag die Handlung innerhalb von Handlungstyp, Betragsgrenze, Währung und Gegenpartei?
  3. War das Mandat zum fraglichen Zeitpunkt widerrufen oder suspendiert?
  4. Falls die Befugnis über Zwischenstufen kam: Ist jede Stufe signiert und nicht breiter als die vorherige?

Entscheid und Ausführung

  1. Gab es vor der Ausführung einen Entscheid, und wie lautete er?
  2. Verweist der Ausführungsbeleg auf genau diesen Entscheid und dieses Mandat?
  3. Ist die Belegfolge lückenlos, und würde eine nachträgliche Änderung auffallen?

Zeit und Nachvollziehbarkeit

  1. Ist der Zeitpunkt durch eine unabhängige Zeitstempelstelle fixiert, und auf welchen Anker führt sie zurück?
  2. Kann ein Dritter das Ergebnis ohne Zugang zu den Systemen des Betreibers reproduzieren?

Von der Liste zum Prüfmodell

Die zwölf Fragen entsprechen den zehn Prüfschritten von KYA; Frage 4 und 12 sind in Zeitbasis und Determinismus aufgegangen. Jede Frage, die ein Nachweis nicht beantwortet, erscheint im Bericht als «nicht vorhanden» oder «nicht geprüft» – mit Begründung, nie stillschweigend.

Was das für die Praxis heisst

Betreiber sollten Nachweise so erzeugen, dass sie alle zwölf Fragen ohne Rückfrage beantworten: Mandat mit Umfang und Statusliste, Entscheid vor der Ausführung, verkettete Belege, Zeitstempel. Mandact erzeugt solche Nachweise. Prüfer können sie hier ohne Konto prüfen.

Was ein Gericht wissen will

Kommt es zum Streit über eine Handlung eines Agenten, drehen sich die Fragen fast immer um Tatsachen: Welcher Agent hat gehandelt, für wen, mit welchem Auftrag, und hielt er sich daran? Gerichte würdigen Beweise frei. Je klarer Herkunft, Inhalt und Zeitpunkt eines Nachweises belegt sind, desto grösser ist sein Gewicht.

Ein Protokolleintrag im eigenen System ist dabei schwach, weil die Gegenseite ihn nicht prüfen kann und er sich nachträglich ändern liesse. Ein signierter, verketteter und zeitgestempelter Nachweis lässt sich dagegen unabhängig nachrechnen. Mehr dazu im Artikel Haftung bei KI-Agenten.

Die Beweiskette im Überblick

  1. Mandat: Der Auftraggeber legt den Rahmen fest und signiert ihn.
  2. Entscheid: Vor der Handlung bestätigt eine unabhängige Stelle, dass sie im Rahmen liegt.
  3. Beleg: Nach der Handlung wird festgehalten, was tatsächlich geschah, mit Verweis auf den Entscheid.
  4. Kette: Belege werden verkettet, sodass jede spätere Änderung auffällt.
  5. Zeitstempel: Eine unabhängige Stelle bestätigt, wann die Kette existierte.

Ein Nachweispaket bündelt alle fünf Elemente in einer Datei.

Aufbewahrung und Prüfung

Nachweise sollten so lange aufbewahrt werden, wie Ansprüche aus der Handlung geltend gemacht werden können. Wichtig ist, dass die zugehörigen öffentlichen Schlüssel und Zeitstempel-Anker ebenfalls verfügbar bleiben, damit eine Prüfung auch Jahre später möglich ist.

KYA prüft solche Pakete reproduzierbar: gleiche Eingabe, gleiche Optionen, gleiches Ergebnis. Der Prüfschein mit seinem reportDigest kann deshalb selbst Teil der Akte werden.

Ein Streitfall Schritt für Schritt

Ein Lieferant bestreitet, dass eine Bestellung über 4'000 Franken autorisiert war. Das bestellende Unternehmen legt das Nachweispaket vor: Das Mandat erlaubt Bestellungen bis 5'000 Franken bei diesem Lieferanten, der Entscheid vor der Bestellung lautet «erlaubt», der Beleg zeigt Betrag und Gegenpartei, und ein Zeitstempel belegt, dass die Kette vor der Reklamation existierte. Beide Seiten prüfen das Paket mit KYA und erhalten denselben Prüfschein. Der Streit verschiebt sich von der Frage, was geschah, zur Frage, was daraus folgt, und lässt sich meist rasch klären.

Häufige Fragen

Welche Beweiskraft hat ein signierter Beleg?

Gerichte würdigen ihn frei. Eine Signatur belegt Herkunft und Unversehrtheit; zusammen mit Verkettung und Zeitstempel entsteht ein Nachweis, der deutlich stärker ist als ein internes Protokoll.

Wie lange sollten Nachweise aufbewahrt werden?

Mindestens so lange, wie Ansprüche aus der Handlung geltend gemacht werden können, und im Rahmen der gesetzlichen Aufbewahrungspflichten. Schlüssel und Anker müssen ebenso lange verfügbar bleiben.

Kann ein Beleg nachträglich gefälscht werden?

Nicht unbemerkt, wenn er in einer Beleg-Kette steht und deren Stand zeitgestempelt ist. Jede Änderung verändert die Hashwerte ab dieser Stelle.

Wer sollte die Nachweise prüfen?

Jede Partei, die sich auf eine Handlung verlässt: Händler, Banken, Revision und im Streitfall auch die Gegenseite. Weil die Prüfung reproduzierbar ist, kommen alle zum selben Ergebnis.

Reicht ein Screenshot als Beweis für eine Agenten-Handlung?

Ein Screenshot lässt sich leicht verändern und zeigt nicht, wer gehandelt hat. Ein signierter, verketteter Nachweis ist deutlich aussagekräftiger, weil er sich unabhängig prüfen lässt.

Was gehört in eine Akte zu einer Agenten-Handlung?

Das Nachweispaket mit Mandat, Entscheid, Beleg und Zeitstempel, die verwendeten Schlüssel und Anker sowie der Prüfschein mit seinem reportDigest.

Muss jede Handlung eines Agenten belegt werden?

Nicht jede. Lesende Handlungen ohne Folgen brauchen meist keinen Beleg. Handlungen mit Folgen, etwa Zahlungen, Bestellungen oder Eingaben bei Behörden, sollten dagegen lückenlos belegt werden, weil genau sie im Streitfall zählen und später auch unabhängig geprüft werden müssen.

Quellen

  1. RFC 3161: Time-Stamp Protocol: https://www.rfc-editor.org/rfc/rfc3161
  2. eIDAS-Verordnung (EU) Nr. 910/2014: https://eur-lex.europa.eu/eli/reg/2014/910/oj